Zurück in Australien – Glücklich, zufrieden und frisch gespritzt

Nach unseren sieben Wochen „Halli Galli“ in Asien sind wir mit gemischten Gefühlen nach Australien zurückgeflogen. Wir haben uns darauf gefreut und irgendwie auch nicht. Nach fast zwei Monaten unter der asiatischen Sonne hatten wir wieder Lust auf diesen riesigen Kontinent und auf das, was uns dort noch erwartet. Aber es hieß auch wieder Jobs suchen und hoffentlich welche finden.

Wir sind eben doch „nur“ billige Arbeitskräfte

Bereits in Indonesien hatten wir wieder Kontakt zu Kerri, unserer Gastmutti aus Melrose. Anfang September ist wieder ein Festival in Melrose und wir können gern wieder dabeisein – bezahlt. Cool, das machen wir. Aber was machen wir in den zwei Wochen davor?

Da kam die E-Mail von Steve und Susie genau zum richtigen Zeitpunkt reingeflogen. Die zwei wohnen in der Nähe von Adelaide, brauchen Hilfe mit den Kindern, auf ihrer Farm mit den Alpakas und geben uns neben Unterkunft und Verpflegung ein kleines Taschengeld. Nicht viel, aber wenigstens was. Das ist doch was. Also war das der Plan.

Nach ein paar Tagen bei den beiden mussten wir aber leider feststellen, dass wir uns nicht so richtig wohlfühlen. Irgendwie sind wir verwöhnt, haben wir festgestellt. Unsere Erfahrungen vor Indonesien waren so toll und die Familien, mit denen wir die Wochen verbrachten, waren einfach unglaublich. Steve und Susie waren auch nett, aber mehr auch leider nicht. Wir fühlten uns das erste Mal in Australien wie die billigen Arbeitskräfte, die wir auch sind. Hauptsache wir bringen unsere Stunden (oder lieber viel mehr) und dann sollen wir uns aber zurückziehen. Persönliche Gespräche über die Aufgabenbeschreibung hinaus gab es nicht und der ganze Tag wurde von Regeln und Verboten bestimmt.

„Aber es sind ja nur zwei Wochen“, haben wir uns gesagt.

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Wie geil ist das denn bitte?

Da wir auch unbedingt mehr Geld brauchen, habe ich mich zwischenzeitlich bei Ange, meiner Flowerfarm-Chefin, zurückgemeldet. Vielleicht hat sie ja wieder einen kleinen Job für mich?
Es tut ihr sehr leid, aber leider nicht. Schade.

Aber dann. Plötzlich. Drei Tage später schreibt sie erneut und fragt ob Christian mit einer Kettensäge umgehen kann. Was ist das denn jetzt für eine Frage?
Natürlich kann er das, haben wir geantwortet.

Wir können bei ihnen einziehen und sie hat eine Woche einen Job für uns, wenn wir wollen!
Wir sind vor Freude fast geplatzt.
Unsere Aufgabe wird es, einen riesigen Gumtree, der leider dem letzten Sturm nicht standgehalten hat, zu zerkleinern und wegzuschleppen. Er ist nämlich leider genau auf die BDatei 01.09.16, 21 34 49lumen gefallen.

Am nächsten Tag waren unsere Sachen im Auto verstaut, wir verabschiedeten uns von Steve und Susie und sind mit einem unfassbar breiten Grinsen zu Ange und Des gefahren.

Und wir wussten es schon vorher. Die Woche wird wunderbar.

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Ist es möglich…

…irgendwo auf der Welt Menschen kennenzulernen, die zu guten Freunden werden und bei denen du dich ganz weit weg von Zuhause doch wie Zuhause fühlst?

Ja, ist es! Das können wir jetzt mit Sicherheit behaupten.

Wir kennen Ange, Des und die drei Teenager-Jungs jetzt schon seit unserer dritten Woche in Australien. Ich habe knapp 6 Wochen mit ihnen gearbeitet und war ihnen von Anfang an irgendwie verfallen. Diese gemeinsame Woche mit ihnen zu verbringen hat es nun „noch schlimmer“ gemacht.

Und Christian geht es genauso. Wir waren erst wenige Stunden dort, da sagte er zu mir: „Ich habe mich bisher noch nirgendwo so wohlgefühlt wie hier!“
Wundert mich nicht.

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Warum das so ist, können wir nur schwer erklären. Ange und Des und auch die Jungs haben uns sofort das Gefühl gegeben, dass wir uns schon ewig kennen. Sie haben uns so herzlich in ihre Familie aufgenommen, dass wir gar nicht so wirklich weiterreisen wollten.

Spritze gefällig?

Ange ist übrigens gelernte Krankenschwester und arbeitet einen Tag in der Woche in der Klinik im Nachbarort. Bei einem Gespräch am Abend kam das Thema „Impfen“ auf. Und wie es der Zufall (oder vielleicht doch das Schicksal?) will, stellten wir fest, dass Christian’s Tetanus-Schutz abgelaufen ist. Bitte was? Vor allem Christian, der in den letzten Wochen ständig Wunden hatte. Ohh mein Gott.

Irgendwie wollte er es vor der Abreise noch auffrischen. Wollte. Hat er aber nicht.
Ange ist fast verrückt geworden. Nachdem sie einige Minuten nur noch mit dem Kopf schütteln konnte, war die Sache für sie beschlossen. Am nächsten Früh verpasst sie Christian die Impfe. Ohne Widerrede. Des stand nur dahinter und hat sich amüsiert. „Da kommst du jetzt nicht mehr raus.“, hat er gesagt.

Und gesagt, getan. Am nächsten Tag fuhren sie in die Klinik, Christian bekam seine Dosis und alle sind glücklich. Vor allem, da wir es nichtmal bezahlen mussten.

Und sie setzen noch einen drauf

Ende der Woche fragten uns die beiden, ob wir denn gern übers Wochenende in ihr Beachhouse nach Port Elliot möchten. Haben die eben Beachhouse gesagt? Ähhm…also…NATÜRLICH!

Aber das hieß dann auch Abschied nehmen. So traurig waren wir bisher noch nie. Jede Familie in den Adelaide Hills ist uns ans Herz gewachsen und wir haben allen sehr viel zu verdanken, aber das war irgendwie anders. Die Woche hat eindeutig nicht gereicht.

Aber jetzt geht es erstmal ins BEACHHOUSE!

Nach knapp einer Stunde Fahrt waren wir da und sind nach dem Betreten fast wieder rückwärts raus gestolpert.
So ein geiles Haus! Fünf Zimmer, riesig, Meerblick und einfach nur „Wow“! Nur für uns.

Im Schuppen gab es Fahrräder und sogar Surfbretter. Beides haben wir genutzt und wir haben die zwei Tage mehr als genossen.

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Und eins steht fest. Auf unserem Rückweg über Adelaide müssen wir nochmal zu den beiden. Vielleicht können wir nochmal mit ihnen arbeiten und für ein paar Tage dortbleiben. Selbst wenn nicht, dann will ich sie einfach nur drücken. Einfach so, weil sie so eine tolle Familie sind.

In solchen Momenten stellen wir fest, dass das Besondere auf unserer Reise nicht die Erkundung irgendwelcher Sehenswürdigkeiten oder das Entdecken schöner Orte ist. Die größte Bereicherung für uns, sind die Momente mit solch beeindruckenden Menschen, die uns am anderen Ende der Welt das Gefühl von Zuhause und Freundschaft geben.

Zurück in Melrose

Jetzt sind wir übrigens wieder in Melrose. Kerri und Rich haben uns wieder herzlich empfangen und morgen startet das nächste Festival, 18 Hours of Melrose.
Wir sind wieder mit dabei und bleiben auf jeden Fall bis Anfang nächster Woche hier. Danach sehen wir weiter.


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