Westküste Australien #2 – 14 Tage Roadtrip von Perth nach Exmouth

Wir waren nicht mehr zu dritt, sondern zu viert und hatten ein größeres Auto. Wir starteten die Reise wieder wie beim letzten Mal – im Supermarkt. Wir füllten den Kühlschrank, wobei Stefan wahres Talent im Kühlschrank-Tetris bewiesen hat und der Trip konnte losgehen. Wir hatten einige Kilometer vor uns. Geplant war innerhalb von zwei Tagen im Karijini Nationalpark zu sein. Sind nur knapp 1.500km. Durch das Inland quasi Richtung Norden, dann rüber zur Küste und entlang der Küste wieder nach Perth. Klingt nach einem Plan, also los. 

Ruckzuck waren wir raus aus Perth und auf dem Weg in Richtung Outback. Nach ein paar Stunden wurde es dann auch langsam wärmer und wärmer. Die Sonne ballerte auf unseren Camper was das Zeug hielt und die Klimaanlage fiel das erste Mal aus. Prima. Es sind ja nur 36 Grad und der Planet ballert weiter. Wer braucht da schon eine Klimaanlage. Machen wir einfach die Fenster auf. Ha, keine gute Idee. Schonmal einen Fön direkt vors Gesicht halten? Jap, genauso hat es sich angefühlt. Da waren wir froh, dass die Sonne irgendwann ja auch untergeht. Dann wird es sicher kühler…Natürlich nicht. Die Nacht überraschte uns mit kuschligen 31 Grad. Im Auto war durch die Fahrt alles so aufgehitzt, dass die Handys sich wegen Überhitzung abgeschaltet haben und aus unserem Wasserkanister kam das Wasser bereits abgekocht für den warmen Tee am Abend.

Und dann standen wir vor dem Problem der Schlafplatzvergabe. Wir hatten eine Doppelmatratze in der unteren Etage und eine im „Dachgeschoss“. Da oben war die Luft besonders stickig. Planmäßig wollten wir jeweils zu zweit in den Betten schlafen. Nachdem es sich Stefan aber oben gemütlich gemacht hatte, war klar, dass da kein Jan mehr daneben passt. Vor allem nicht bei dem sowieso schon unerträglichen Mief unterm Dach. Also Planänderung. Wir schlafen zu dritt unten und Jan hat ein Einzelzimmer im Dachgeschoss.

Es war kuschlig und gedreht wurde sich nur selten, da wir uns danach höchstwahrscheinlich auf denjenigen neben uns gerollt hätten. Aber es war machbar und es hat ja auch nie jemand behauptet, dass ein Camperleben vor Luxus grad so strotzt. Es wird also schon gehen und nach den 14 Tagen haben wir uns entweder besonders lieb oder sprechen lange Zeit kein Wort mehr miteinander.

Am nächsten Tag zurück auf der Straße war es sogar noch heißer und wenn wir während der Pausen aus dem Auto gestiegen sind, brannte die Sonne sofort auf der Haut. Wir konnten quasi dabei zusehen, wie sich innerhalb von Sekunden der Sonnenbrand bildete. Während der Fahrt gab es rechts und links jede Menge rote Erde zu sehen und einige Tornados, die während dieser Zeit ständiger Begleiter sind.

Und an Tag 3 waren wir dann endlich da. Und Überraschung, es war keiner weiter hier. Wer fährt auch bei der Hitze bis hierher. Das machen ja nur Verrückte – wie wir. Sogar das Infocenter war eben am Kistenpacken, weil es am nächsten Tag für mehrere Wochen schließt. Es ist einfach zu heiß. Klasse.

Gut jetzt sind wir hier und jetzt schauen wir mal, was es hier so gibt.

Tankstellen schonmal nicht. Das ist schlecht. Wir müssen noch ein paar Kilometer durch den Park und der Tank ist leer. Also sind wir auch schon wieder aufgebrochen und in den nächsten Ort Tom Price gefahren. Knapp 100 km Weg (pro Strecke!) um zu tanken und dann wieder zurückzufahren. Das passiert uns wahrscheinlich nirgendwo anders als in Australien.

Aber dann waren wir endlich bereit für Karijini. Wir konnten uns direkt abkühlen, in atemberaubender Kulisse. Das wurde aber auch Zeit, dass sich dieser Ritt bis hierher nun auch gelohnt hat. Die natürlichen Pools und die vielen Gorges (Schluchten) sind das typische Bild im Karijini und waren einfach nur wunderschön. Die Strapazen der Anfahrt waren fast vergessen und keiner wollte sich so wirklich aus dem kühlen Nass bewegen. Draußen war es einfach wieder zu heiß.

Leider konnten wir mit unserem Mietwagen nur die geteerten Straßen durch den Park befahren. Aber die Dales Gorge mit den Fortescue Falls oder der Fern Pool am anderen Ende der Gorge waren schon unglaublich beeindruckend.

Zurück ans Meer

Dann ging es zurück an die Küste, Richtung Exmouth. Es wurde Zeit für eine frische Brise vom Meer. Wir haben uns spontan wieder für zwei Nächte einen Campingplatz gebucht, den Luxus von richtigen Duschen genutzt und am nächsten Tag den Cape-Range-Nationalpark unsicher gemacht. Dieses Schnorchelparadies um das Ningaloo Reef an der Westküste Australiens hat uns dann einfach umgehauen. Kristallklares Wasser, eine unglaubliche Unterwasserwelt und wunderschöne Strände.

Vor allem die Turquoise Bay hat es uns angetan. Der Name war hier auf jeden Fall Programm und wir mussten nur wenige Meter ins Wasser laufen, den Kopf unter Wasser halten und da waren schon jede Menge Fische unterwegs. In den Korallen versteckten sich dann auch Schildkröten und kleine Riffhaie. Das Ningaloo Reef soll wohl inzwischen dem Great-Barrier-Reef den Rang ablaufen. Das wundert uns nicht.

Aber es kann natürlich nicht alles perfekt sein, auch nicht in Australien. Was hier nämlich so richtig nervt und an der Westküste einfach unfassbar anstrengend war, sind die Fliegen. Sie sind überall und das zu Tausenden. Da nützt es auch nichts sie zu verjagen, dann greifen sie nämlich richtig an, fliegen dir in die Nase, in die Ohren und einfach überall hin. Es nervt einfach nur und kann deine Laune ganz schnell ganz tief sinken lassen. Und nein, man gewöhnt sich auch nicht daran.

Nach zwei Tagen in Exmouth ging es einen Tag vor Heiligabend weiter nach Coral Bay. In dem kleinen Ort gibt es nicht viel, außer einen Campingplatz, ein paar Shops, wieder unfassbares klares Wasser, weißer Sand, ein tolles Riff zum Schnorcheln und mit etwas Glück Mantarochen. Die haben wir zwar nicht gesehen, aber das hat dieses Fleckchen Erde für uns nicht weniger schön gemacht.

Nachdem wir uns am Abend noch den Sonnenuntergang angeschaut hatten, mussten wir das erste Mal in der Dämmerung bzw. im Dunkeln den Weg zu unserem Parkplatz für die Nacht zurücklegen. An sich keine große Sache, aber bei einem Mietwagen zahlt in diesem Fall die Versicherung nicht, wenn wir einen „Wildunfall“ mit Känguru & Co. haben. Die sind dann nämlich besonders aktiv. Also fuhren wir nahe Schrittgeschwindigkeit, klebten zu dritt hinter der Windschutzscheibe und suchten mit zusammengekniffenen Augen die Straßenränder nach Auffälligkeiten ab. Es ging alles gut und wir kamen ohne Zusammenstoß mit Skippy am Schlafplatz an.

Morgen Kinder wird’s was geben…

Am nächsten Tag war Heilig Abend und wir haben den Tag fast ausschließlich auf der Straße verbracht. Wir wollten nämlich am folgenden Tag in der Shark Bay sein. Am Abend haben wir aber einen Schlafplatz direkt an der Küste gefunden und konnten mit Aussicht aufs Meer unsere kleine Bescherung im Auto feiern. Es gab Geschenke aus dem Supermarkt, Sarongs aus Indonesien und ein Festmahl mit Nudeln und Tomatensoße. Dieses Weihnachten werden wir wohl so schnell nicht vergessen.

Das Gebiet um die Shark Bay, welches übrigens zur Liste des UNESCO Weltnaturerbes zählt, hatte dann jede Menge zu bieten. Der Shell-Beach besteht, wie der Name schon erahnen lässt, komplett aus kleinen Muscheln, anstatt aus Sand. Im Hamelin Pool gibt es mit den Stromatolithen die ältesten lebenden Fossilen der Erde zu sehen und das Highlight ist wohl der Ort Monkey Mia. An dem Ort kommen täglich Delfine bis ans flache Ufer und werden von den Rangern oder den Besuchern unter Aufsicht mit einem kleinen Frühstückssnack versorgt.

Und als kleines Weihnachtsgeschenk von Australien an mich, wurde ich sogar ausgewählt und durfte die junge Delfindame füttern. Was für ein irres Gefühl. Sie war so nah, hat ihren Kopf zur Seite gelegt, mich von unten angeschaut und den Fisch ganz sanft aus meinen Händen gezogen.

Wahnsinn.

Hinweis: Die Fütterungen finden ab ca. 07.45 Uhr bis 12.00 Uhr mittags bis zu dreimal statt. Natürlich richtet sich das nach den Delfinen. Der Eintritt von 12AU$ pro Person wird direkt am Ortseingang verlangt und ist leider nicht mit einem Parkpass zu begleichen.

Für alle anderen Nationalparks kannst du dir einen Parkpass für vier Wochen kaufen, mit dem du die meisten Nationalparks in Western Australia besuchen kannst ohne nochmal extra den Eintritt von jeweils 12AU$ (pro Auto mit max. 5 Personen) zu bezahlen. 

Weihnachten in Kalbarri

Am ersten Weihnachtsfeiertag, der übrigens einer der wenigen Feiertage in Australien ist, an denen wirklich fast alles geschlossen hat, sind wir dann in Kalbarri angekommen. Den kleinen Ort im gleichnamigen Nationalpark hatten wir uns schon zu Beginn als unser Weihnachtsdomizil ausgesucht und uns dort für zwei Nächte einen Stellplatz auf dem Campingplatz gebucht. Da hier das gängige Längenmaß häufig in Fuß und Inch angegeben wird und nicht in Metern hatten wir uns bei der Länge unseres Campers „leicht“ verschätzt. Wir haben den mit Abstand größten Stellplatz des Parks bekommen. Wahrscheinlich hatten sie mit einem Reisebus gerechnet. Dann kamen wir mit unserem Gefährt um die Ecke und hatten den Lacher auf unserer Seite. Aber es war nicht weiter schlimm, wir konnten den Platz behalten und haben es genossen. 😉

Und Kalbarri? Der Nationalpark hat uns dann völlig begeistert. Diese roten Felsen, die Schluchten entlang des Murchison River, die wunderschöne Steilküste oder die kleinen Buchten. Es war einfach alles wunderschön. Die Aussicht vom Hawks Head, Pot Alley oder der Island Rock sind nur ein paar Highlights. Eigentlich hätten wir hier noch ewig bleiben können, aber irgendwann müssen wir ja weiter.

Auf zum Endspurt

Wir mussten einen Tag vor Silvester unser Auto in Perth zurückgeben und so mussten wir leider am 27. Dezember aufbrechen. Mit Zwischenstop in dem bezaubernden Ort Geraldton ging es Richtung Pinnacle Desert. Zwischen den gelben Sanddünen im Nambung Nationalpark haben sich im Laufe von Millionen von Jahren tausende Kalksteinsäulen geformt, die bis zu 3 Meter in die Höhe ragen. Verrückt. Wir sind auf der Fahrt direkt am Indischen Ozean und weißen Stränden vorbei, kurz abgebogen und standen mitten in dieser skurrilen Wüste.

Und kurz vor Perth, etwa 180 km nördlich, schauten wir anschließend noch in Lancelin vorbei. Das kleine Fischerdorf ist vor allem für seine „Big Dune“ bekannt. Die riesigen Sanddünen können mit Allradfahrzeugen oder mit Sandboards befahren werden. Sandboarding war also der Plan des Tages. Wir haben es uns vorgestellt wie Snowboarden, nur eben mit Sand.

Also rauf auf das Ding und runter die Düne…na los…fahr schon…Ha, wir standen völlig bereit auf dem Brett, in perfekter Position und warteten auf den Spaß. Aber nichts passierte. Die ausgesuchte Düne war wohl zu klein für uns. Größeres muss her.

Und dann ging es los. Wir boardeten die Düne runter und krabbelten wieder hoch. Dabei bekamen wir den extrem feinen Sand überall hingeweht. Überall!

Es hat mega viel Spaß gemacht, aber nachdem wir nach knapp einer Stunde die Augen nicht mehr öffnen konnten, weil sie voll mit Sand waren, haben wir dann doch aufgehört.

Den Sand haben wir Tage später noch irgendwo an uns gefunden ;).

Hinweis: Die Boards gibt es direkt an der Düne oder in Lancelin in sämtlichen Shops. Ein Board kostet etwa 10 – 15AU$ für 2 Stunden. 

Tja, und dann waren wir wieder in Perth. Christian und Stefan haben das Auto abgegeben und sogar noch eine Rückerstattung aushandeln können. Wir mussten den Camper nämlich bereits früh am Morgen abgeben, obwohl wir den ganzen Tag gebucht und vor allem bezahlt hatten. Das haben wir so nicht akzeptieren können. Aber die Jungs haben alles geklärt und Jan und ich haben derzeit unser Hostel mit unserem Gepäck für mindestens 8 Leute bezogen. Der Hostelmanager schaute leicht verwirrt, als er uns zwei entdeckte und der komplette Vorgarten mit unserem Krempel vollgestellt war. Ja, wir sind dann jetzt da und wir wollen hier einziehen…

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