Unser Roadtrip durchs Outback #1 – Coober Pedy und Ayers Rock

Wenn wir früher an Australien gedacht haben, kam uns immer sofort der Ayers Rock in den Sinn. Diesen riesigen Felsbrocken mitten auf dem Kontinent, mitten im Outback Australiens kennt jeder und wenn wir so viel Zeit in diesem Land verbringen, dürfen wir ihn natürlich nicht verpassen. Wie sieht das denn auch aus? Wir waren monatelang in Australien und waren nicht im Outback? Das geht natürlich nicht.

Also haben wir uns gedacht, „Jetzt sind wir so NAH dran“, also los. Lass uns diesen Felsbrocken anschauen und das Outback unsicher machen.

Geplante Route: Melrose – Coober Pedy – Ayers Rock – Kings Canyon – Alice Springs – Coober Pedy – Melrose
Gesamte Strecke: ca. 3.300km

Wir waren natürlich voller Euphorie. Unser erster richtiger Roadtrip. Wow! Und dann gleich ins Outback. Nochmal Wow! Je länger wir darüber nachgedacht haben, umso mehr haben wir uns aber auch gefragt, ob das auch gutgeht. Wir haben uns ein bisschen informiert, belesen, recherchiert und mit Australiern gesprochen. Wir sollen vorsichtig sein. Genug Wasser mitnehmen, unser Auto nochmal checken lassen, mindestens 40l Benzin als Reserve einplanen, vielleicht über ein Satellitentelefon nachdenken.

Ohh man, das klingt irgendwie gruselig. Was, wenn was passiert und wir mitten im Nichts stehenbleiben und tagelang keiner kommt? Tja, keine Ahnung. Wir bereiten uns einfach so gut es geht vor und dann wird das schon klargehen. Manni wird uns schon sicher hin und zurückbringen.

Start ins Abenteuer

Es ging früh los. Wir mussten noch einkaufen und die erste Etappe versprach uns knapp 600 aufregende Kilometer.

Nach einer Stunde Fahrt hatten wir Port Augusta verlassen, den Stuart Highway vor uns und somit das Outback offiziell betreten. Es war ein komisches Gefühl. Jetzt geht es richtig los. In den kommenden Tagen kommt nur ab und zu mal eine Raststätte, ein kleiner Ort und dann wieder ewig nichts. Verrückt. Aber wir haben Bock drauf.

Mit einem breiten Grinsen im Gesicht haben wir die endlose leere Straße vor uns betrachtet, uns nochmal kurz gefragt, was wir hier eigentlich machen und dann ging es endlich richtig los.

Wir legten Kilometer für Kilometer mit gemütlichen 100km/h zurück und die Zeit verging wie im Flug. Wir stoppten beim Lake Hart, einem riesigen Salzsee direkt am Highway und plötzlich waren wir schon drei Stunden unterwegs. Bis Coober Pedy waren es nur noch knapp über 250km. Nochmal schnell tanken, denn den nächsten Ort gibt es erst in 254km! Was? Ja, einfach nicht drüber nachdenken.

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Lake Hart

Willkommen im beschaulich gruseligen Coober Pedy

In Coober Pedy angekommen war es genauso, wie wir es uns vorgestellt haben. Irgendwie unheimlich. Überall standen alte, rostige und kaputte Autos. Es war kaum ein Mensch zu sehen und irgendwie hat nur noch der Strohballen gefehlt, der in Filmen immer über die Straße weht. Man hätte denken können, der Ort wurde vor über hundert Jahren Platz einer Alien-Katastrophe und wird seitdem nur noch von Überlebenden bewohnt. Witzig, dass aber erst in den 70er Jahren die ersten Menschen hier siedelten.

Warum will man hier wohnen, fragt man sich. Die Antwort: Es lässt sich jede Menge Geld verdienen. Unter Coober Pedy findet man eines der größten Opalvorkommen der Welt und die Minen sind wahre Goldgruben.

Wahnsinnig interessant ist auch, dass knapp 80% der Bewohner aufgrund der unerträglichen Hitze im Sommer sogar unter der Erde wohnen. Sogar die Kirche ist unter der Erde.
Die Wohnungen sind in den Felsen gehackt und bieten das ganze Jahr angenehme 23°C. Irre. Es war für uns unglaublich zu sehen, wie diese Menschen leben. Ein älteres Ehepaar öffnet nämlich tagsüber seine Wohnung und die dazugehörige Mine für Besucher und das mussten wir uns natürlich ansehen.

Kannst du dir vorstellen wie dunkel und wie leise es unter der Erde werden kann? Der Mann erzählte uns, dass am Abend absolute Stille herrscht und es so stockfinster ist, dass sie ihre eigene Hand vor Augen nicht sehen. Dies gemischt mit der gruseligen Atmosphäre außerhalb der Wohnungen ist einfach nur unheimlich.

Coober Pedy

Coober Pedy

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Wir haben uns natürlich sehr auf unsere Nacht in diesem Ort gefreut. 😀 Auf dem Schotterplatz, der unser Schlafplatz werden sollte, war natürlich keine Menschenseele. Wie beruhigend.
Wir haben unser Abendbrot schnell bis zur Dämmerung durchgezogen, sind ins Auto gehüpft und haben die Türen von innen verschlossen. Was soll passieren? Keine Ahnung. Aber so wirkliche Geborgenheit hat die Umgebung nicht wirklich ausgestrahlt.

Letztendlich ist natürlich alles friedlich verlaufen und wir haben nach zwei Nächten Coober Pedy verlassen und konnten feststellen: Irgendwie ist es cool hier.

Coober Pedy

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Weiter geht’s. Tagesziel: Ayers Rock.

Die Strecke von Coober Pedy bis zum Ayers Rock war unsere nächste Etappe. Lächerliche 750km.

Zwischendurch gab es wieder jede Menge „Nichts“ zu bestaunen und der größte Ort unterwegs bestand aus einer Tankstelle mit kleiner Gaststätte und Campingplatz. Hier steppte also der Bär. Fanden wir das doof? Ganz und gar nicht.

Wir müssen feststellen, dass es etwas unglaublich Friedliches und Beruhigendes an sich hat. Diese endlosen Weiten, die wenigen Menschen unterwegs und vor allem keinen Empfang. Man könnte meinen 8h geradeaus fahren mit konstanten 100km/h ist mega anstrengend. Nach mehreren Tagen ist es zwar etwas ermüdend, aber letztendlich tausendmal erholsamer, als eine halbe Stunde Fahrt in der Großstadt. Es passiert eben einfach nix.

Wir haben noch nie so lange Gespräche geführt, noch nie so lange still nebeneinander gesessen, so viel Musik gehört und mitgesungen oder einfach Blödsinn erzählt. Es wurde uns nie langweilig. Wir haben es einfach genossen.

„Im Englischbuch früher sah der irgendwie anders aus.“

Irgendwann sind wir dann über einen kleinen Hügel gefahren und auf einmal sahen wir einen Teil eines riesigen Felsen.

„Ist er das? Soll das der Ayers Rock da hinten sein?“ Da sehen wir endlich einen Felsen und dann sind wir uns nicht sicher, ob wir ihn endlich vor uns haben. Aber er war so groß und stand da so allein mitten in der Ferne. „Aber bis zum Ayers Rock sind es eigentlich noch knapp 150km“ :D. „Wie riesig muss das Ding denn bitte sein, wenn wir den jetzt schon so groß sehen?“ „Nein, das kann er nicht sein. Aber wie viele große einzelne Berge soll es denn hier geben?“

So haben wir diskutiert und am Ende an uns selber gezweifelt. Christian meinte dann zu mir: „Was, wenn er das jetzt wirklich ist und wir sind in dem Moment, als wir ihn endlich gesehen haben, nicht kurz ausgeflippt? Müssten wir nicht eigentlich völlig begeistert jubeln, dass wir ihn endlich sehen?“

„Hhm, wo du Recht hast.“ Also haben wir kurz gejubelt und uns gefreut. Aber es war nicht mehr so cool, wie gedacht :D. Der Moment war eindeutig vorbei.

Und nach weiteren 40km haben wir diesen Berg dann endlich in ganzer Pracht gesehen. „Im Englischbuch früher sah der anders aus.“, meinte Christian dann. Stimmt. Er ist es nicht.
Es war letztendlich der Mount Connor. Im Nachhinein fragen wir uns, wie doof man sein kann. Er sieht ganz anders aus und aufgrund der Entfernung hätte der Berg mehrere Kilometer hoch sein müssen. Aber nach 7h Fahrt auf einer einsamen Straße geradeaus kann man schon mal eine verzerrte Wahrnehmung haben ;).

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Das ist er jetzt aber

Irgendwann sind wir dann endlich auf unserem Campingplatz angekommen. Von dort waren es noch ca. 30km bis zum Ayers Rock und das hätten wir vor Einbruch der Dunkelheit definitiv nicht mehr geschafft. Also sind wir über die Dünen gefahren (endlich lohnt sich unser 4WD-Antrieb) und plötzlich haben wir ihn dann doch gesehen. Direkt von unserem Schlafplatz. Na das ist doch mal was.

Als wir am nächsten Tag aufgewacht sind, haben wir unseren Vorhang beiseite geschoben, nach draußen geschaut und waren einfach nur happy. Das wird ein guter Tag. Auf geht’s zum Felsbrocken.

Und dann standen wir endlich davor und haben endlich verstanden, was diesen Ort zu so einem Highlight macht. Wir müssen ehrlich sagen, dass wir keine großen Erwartungen hatten. Es ist eben ein großer Felsen. Haben wir jedenfalls gedacht.

Aber als wir davor standen waren wir völlig beeindruckt. Dieses riesige rote Ding wurde im Laufe von hunderten Jahren durch Wind und Wasser geformt, ist für die Aborigines ein besonderer, heiliger Ort und wir stehen davor. Es war irre interessant. Wusstest du beispielsweise, dass er grad mal 350m höher ist als das Umland? Klingt im Vergleich zu anderen Bergen nicht so dolle. Stehst du aber davor und schaust den steilen Abhang hinauf, wirkt er riesig.

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Wir hätten ihn stundenlang anstarren können.
Aber im Nationalpark gibt es noch „Die Olgas“ oder Kata Tjuta („viele Köpfe“). Die knapp 50km entfernte Felsformation aus 36 Bergen, soll ähnlich beeindruckend sein wie der Ayers Rock und das haben wir uns angeschaut. Und was sollen wir sagen? Es war definitiv beeindruckend. Es führt ein Wanderweg durch das kleine „Gebirge“ und die Aussicht war unglaublich. Auch wenn der Ayers Rock ein atemberaubender Ort ist, waren die Kata Tjuta atemberaubender.

Und was macht man am Abend, wenn man schonmal hier ist? Man setzt sich auf sein Autodach und wartet auf den Sonnenuntergang.

Es war ein perfekter Tag.

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