Reisetagebuch #9 – Was das Fat Tyre Festival mit unserem Kinderwunsch zu tun hat

Und zack ist das Wochenende schon wieder vorbei. Monatelang haben Kerri und Rich geplant, organisiert und vorbereitet. Auch wir waren in der letzten Woche voll ausgelastet und hatten noch jede Menge für das Fat Tyre Festival zu tun.

Am Freitag ging es dann endlich los.

Wahnsinn, was in diesem kleinen friedlichen Örtchen auf einmal los war.

Riesige Campervans sind an uns vorbeigerollt und haben auf dem Campingplatz ihr Lager für die nächsten Tage aufgebaut. Wir sahen überall nur noch Fahrräder und der Andrang im Shop von Kerri und Rich war der Hammer.

Im Laufe des Wochenendes gab es mehrere geführte Touren durch die Trails des Mount Remarkable, Spiel und Spaß für die kleinen Gäste und einige Programmpunkte von BMXern und anderen Verrückten auf ihrem Bike.

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Christian und ich waren für die vier Tage als Babysitter für Sol eingeteilt, um den Wirbelwind vor allem von seinen Eltern fernzuhalten. Ach, war das ein Spaß.

Er hat das natürlich überhaupt nicht eingesehen. Warum sollte er auf das hören, was wir ihm sagen? Er hat einfach getan wonach ihm der Sinn stand und wir sind, wie zwei Deppen, hinterhergerannt.

Einige wussten schon, was los ist, wenn wir mit leicht panischem Blick umherschauten. „Sucht ihr Sol? Den habe ich da hinten gesehen.“ Aha, danke. Ohh Gott wie peinlich. Wir haben ihn schon wieder verloren. Aber am zweiten Tag sahen wir die Sache dann schon entspannter. Rich erzählte uns, dass wir das nicht persönlich nehmen sollen und dass auch sie selbst so ihre Probleme mit ihm haben.

Zwischendurch lief es sogar mal richtig gut. Zuhause konnte er für einige Zeit mit uns spielen und Film schauen. Er hat sogar seine Schokolade mit uns geteilt. Aber das hielt meist nicht lange an. Bekam er nicht, was er wollte, wurden wir mit Schweigen und bösen Blicken bestraft.

Auch erpressen wollte er uns :D. Machen wir nicht, was er sagt, dann er geht zu seiner Mama. Die Drohung hat auch leider andersrum gar nicht geholfen. Wollten wir ihn damit „motivieren“, dass seine Mama bestimmt nicht begeistert ist, wenn wir ihr von seinen „Schandtaten“ erzählen, meinte er „Bei meiner Mama darf ich das auch. Die findet das gut!“. Herrlich, wir hatten quasi keine Chance.

Ob sie wirklich so begeistert ist, wenn ihr Sofa voller Farbe ist?

Irgendwie haben wir das Wochenende dann letztendlich überstanden. Sol ist noch da und wir sind nur etwa 5 Jahre gealtert. Alles in Allem also ein guter Schnitt :).

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Tja, Kerri brachte es gestern treffend auf den Punkt. Wenn wir bisher einen Kinderwunsch hatten, dann überdenken wir die Sache jetzt sicher. Ja, das kann man wohl so sagen.

Neben unseren verrückten Stunden als Sitter konnten wir aber auch das Festival genießen. Am Abend hat dann meistens jemand anderes Sol in seine Obhut genommen. Wir konnten noch ein bisschen die Leute auf dem Pumptrack beobachten, die Atmosphäre genießen und mit den verschiedensten Menschen quatschen.

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Für einen bewegten Abschluss sorgte Tray am letzten Abend. Er ist der Gründer von Over The Edge in Colorado und ist extra für das Festival nach Melrose gekommen. Er hatte Kerzen besorgt und nachdem wir sie alle in die Erde gesteckt hatten, hielt er eine kurze berührende Rede. Er erinnerte an seinen Freund Kelly McGarry, der in der Mountainbike-Szene sowas wie ein Star war. Der 33-jährige Neuseeländer hat wahnsinnige Stunts mit seinem Bike gewagt und war ein durch und durch verrückter Biker. Im Februar starb er ganz plötzlich an einem Herzstillstand während einer einfachen Tour mit seinem Rad.

Er erzählte uns diese traurige Geschichte um uns alle daran zu erinnern, wie wertvoll das Leben ist und vor allem wie vergänglich. Er hat darauf aufmerksam gemacht, dass wir nie wissen, wann es vorbei ist und dies jederzeit passieren kann. Dafür musst du dich nicht selbst in Gefahr bringen, sondern ein plötzlicher Schicksalsschlag kann dich völlig unvorbereitet treffen. Genieße dein Leben in jedem Moment und verwirkliche deine Träume…

Es war unglaublich, welche Stille er mit seinen Worten auf dem Campingplatz erzeugte. Jeder schaute in die Kerzen und hing seinen eigenen Gedanken nach. Auch wir. Ich fühlte mich in dem Moment wiedermal unglaublich bestätigt in dem, was wir hier tun. Wir sollten unsere Träume nicht auf „Irgendwann“ verschieben, sondern jetzt alles dafür tun. Keiner weiß, was die Zukunft bringt. Aber wir leben jetzt und jetzt sollten wir glücklich sein. Wenn wir heute unsere Träume verwirklichen, kann uns das keiner mehr nehmen. Ob wir später noch die Chance dazu haben, wissen wir nicht.

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Insgesamt war es also ein tolles Wochenende vollgepackt mit allen Emotionen. Wir haben viel gelacht, waren wütend und kurz vorm Schreien, waren berührt und hatten Gänsehaut und waren vor allem glücklich.

Als wir heute früh zum Shop gegangen sind, war das ein verrücktes Gefühl. Wir liefen durch den Ort und es wurde uns aus dem Garten gewunken mit dem obligatorischen „How are you?“ in genuscheltem australisch. Dann kam uns eine Freundin von Kerri mit ihrem Hund entgegen. Auch sie hielt an, fragte wie es uns geht und was wir heute bei dem tollen Wetter machen. Vor dem Pub saß der nächste, der uns fröhlich grüßte. Es war verrückt. Wir kennen sie inzwischen alle und jeder kennt uns.

Nach mehreren Umzügen ist Melrose der erste Ort, in dem es uns so geht. Sonst hatten wir eine tolle Zeit mit den Familien, aber drumherum keinen weiteren Bezug. Hier ist das anders. Der Ort und seine unglaublich netten Menschen hat uns voll in seinen Bann gezogen und ist definitiv ein Platz zum Verweilen.

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