Reisetagebuch #5 – Ein bisschen Heimat in Australien

Wie wir im letzten Reisetagebuchbeitrag schon angedeutet haben, sind wir bei einer weiteren australischen Familie, die uns in ihr Zuhause aufgenommen hat.

Schon verrückt, dass das hier in Australien so einfach funktioniert. Bei uns Zuhause würde der Großteil der Menschen sicher erstmal blöd schauen, wenn man für eine Zeit bei ihnen einziehen möchte. Aber hier ist das kein Problem. Möglich ist das Ganze über das sogenannte Wwoofen. Das heißt so viel wie „Willing workers on organic farms“ also quasi Arbeiter, die bereit sind auf Farmen zu arbeiten. Für 4 – 6 Stunden Arbeit pro Tag darf man als Gegenleistung bei der Familie wohnen und bekommt noch ein All inclusive-Paket an Verpflegung dazu.

Für uns ist Wwoofen also die perfekte Möglichkeit unsere Ausgaben so gering wie möglich zu halten und zudem einen Einblick in den Alltag einer australischen Familie zu bekommen.

Gelandet sind wir diesmal bei Sarah und Mark, ihrem 14-jährigen Sohn Harry und ihren sechs Pferden, drei Ziegen, zwei Hunden und einigen Hühnern. Quasi absolutes Bauernhof-Idyll. Es geht also wieder tierisch bei uns zu, aber diesmal in einer viel gepflegteren Atmosphäre. Das Grundstück ist für unsere Verhältnisse unglaublich groß, wobei Sarah ihre 56.000qm als klein bezeichnet. Beide gehen in der Woche Vollzeit einem Job in der Stadt nach und benötigen auf ihrem Gelände also jede Menge Hilfe. Dafür sind wir jetzt da.

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Wir helfen Sarah viel im Haushalt und bekommen sonst zahlreiche „Outdoor-Aufgaben“. Mit dem  Füttern und Pflegen der Tiere, der Restaurierung eines Pferdeanhängers und dem Aufbau eines neuen Zaunes hatten wir in den letzten Tagen schon jede Menge zu tun. Wir entdecken ganz neue Fähigkeiten an uns und haben wahrscheinlich bisher nie so viel an der frischen Luft gearbeitet. Und das Fahren eines Traktors kann ich nun auch endlich als besondere Fähigkeit in meinen Lebenslauf aufnehmen.

Am Abend sitzen wir dann alle zusammen am Tisch, essen gemeinsam und unterhalten uns mehr oder weniger gut auf Englisch.

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Am Anfang kamen wir uns irgendwie doof vor, als wir hier ständig im Haus einer bisher fremden Familie umherirrten und so in ihre Privatsphäre eindrangen. Die Herren des Hauses kommen nach getaner Arbeit am Ende des Tages nach Hause, füllen sich ein Glas Wein, setzen sich vor den Fernseher und wir sitzen dahinter und fühlen uns total fehl am Platz. Aber sie haben uns alle drei sehr schnell das Gefühl gegeben, dass wir jetzt einfach dazugehören und wir uns dementsprechend im Haus bewegen können. Jetzt füllen wir uns einfach auch ein Glas Wein und setzen uns daneben.

Für uns ist es auch sehr gut, dass wir gezwungen sind Englisch zu sprechen. Manchmal vergessen sie, dass wir noch lernen und erzählen mit uns in ihrem schnellen australischen Slang und wir schauen sie an wie zwei große Fragezeichen. Aber mit Händen und Füßen und Google Translator haben wir bisher jedes Problem lösen können.

Wo sind wir nun eigentlich genau? Verschlagen hat es uns diesmal in das kleine Örtchen Hahndorf. Hahndorf ist in Australien bekannt als eine der ersten deutschen Siedlungen des Landes und liegt etwa 30 km entfernt von Adelaide in den Adelaide Hills.

Im 19. Jahrhundert wurde es von Deutschen besiedelt und auch heute ist diese Geschichte noch eindeutig zu erkennen. Es sind wohl noch knapp 3% der Einwohner Deutsche, aber läuft man über die Main Street, die durch den Ort führt, bekommt man einen anderen Eindruck.

Überall springen uns die Klischees ins Auge und im Laufe des Jahres kommen wahnsinnig viele Touristen hier an, die sich das anschauen wollen. Ein deutscher Bäcker, deutsche Fleischwaren, ein Brauhaus, der Verkauf von Kuckucksuhren, Nussknackern und Jägerhüten oder ein Kiosk, der sämtliche deutsche Produkte verkauft sind da nur Beispiele. Völlig überteuert werden dort Backmischungen von Dr. Oetker für 16$, KnorrFix-Tüten für 6$ und Ferrero Küsschen für 17$ verkauft. Wer bitte kauft das? Wir können uns nicht wirklich vorstellen, dass das wirklich jemand tut, aber der Laden ist jeden Tag voll.

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Jetzt fehlt uns nur noch das große Geld.

Durch Zufall hatten wir vor knapp über einer Woche eine Anzeige einer Beerenfarm im Nachbarort gesehen, die für das Verpacken ihrer Erdbeeren Arbeiter sucht. Wir riefen an, wurden am nächsten Tag direkt zum Probearbeiten eingeladen und waren eingestellt. Leider musste ich nach einem Tag einsehen, dass ich diesen Job nicht für mehrere Wochen durchziehen kann. Ja, so toll wie sich die Arbeit mit Erdbeeren vielleicht anhört, ist es dann nämlich nicht.

Wir standen an einem Fließband, von dem wir uns unsortierte Erdbeeren genommen, diese dann nach Qualität und Größe sortiert, verpackt und zurück auf das Band gestellt haben. Das stundenlange Stehen ist wahnsinnig anstrengend für meinen Rücken und das war es mir dann einfach nicht wert. Naschen war vor allem auch nicht drin. Aber Christian zieht es durch, der Gute.

Im Nachhinein ist es auch besser so, weil irgendjemand muss ja auch die täglichen Stunden Zuhause leisten und Sarah hat mir sogar noch einen kleinen Job bei ihrer Freundin Ange besorgt. Zwei Tage in der Woche kann ich auf ihrer Blumenfarm doch noch etwas Geld verdienen. Ange und ihr Mann Des (ja zwei leicht verrückte Namen) sind auch wieder unfassbar tolle Menschen und die Arbeit für die beiden macht Spaß und ist entspannt. Wahrscheinlich liegt es auch an den vielen schönen Blumen, die so eine beruhigende Atmosphäre ausstrahlen :).

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Also wir fühlen uns hier sehr wohl und können uns gut vorstellen, dass wir noch einige Wochen hier bleiben. Wenn Sarah und Mark uns noch ein Weile ertragen, dann würden wir sehr gern noch bis Ende Mai hier wohnen. So lange geht in etwa noch die Erdbeer-Saison und wir können uns ein kleines Polster ansparen.

Fazit:

Eileen & Christian: Dieses Mal sind wir uns einig 🙂 Dass wir neben einer tollen Familie, bei der wir leben dürfen, auch noch bezahlte Jobs gefunden haben, ist unser Zuckerstück der letzten Tage. Vor allem die Arbeit mit Ange und Des auf ihrer Blumenfarm war bzw. ist wirklich ein Glückstreffer. Sonst sind wir einfach rundum zufrieden und haben absolut nichts Negatives hier in Hahndorf erlebt, sodass wir dieses Mal glücklicherweise kein Säurebad nennen können :).

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