Reisetagebuch #4 – Tierischer Start in Australien

Willkommen in Down Under!

Wir sind jetzt seit 2 Wochen in Australien und haben schon jede Menge gesehen und erlebt und wollen euch nun endlich davon berichten.

Gestartet hat unsere Reise in Australien nach einem langen Flug von Bangkok nach Sydney und weiter nach Adelaide im kleinen Örtchen Aldinga Beach. Wir hatten dort bereits vor Monaten eine Deutsche übers Internet kennengelernt, die nach Erntehelfern für ihren Olivenhain suchte. Außerdem bat sie uns an, dass wir für Unterkunft und Verpflegung ebenfalls arbeiten können. Das klang nach einer guten Ausgangsposition für einen Start in Australien und wir nahmen das Angebot dankend an.

Also holte sie uns am Donnerstagabend vom Flughafen in Adelaide ab und brachte uns direkt in ihr trautes Heim.

Dort begrüßten uns drei große weiße Schäferhunde, elf Welpen (bzw. elf kleine Eisbären), sechs Katzen, über ein Dutzend Frettchen, vier Pythonpärchen, etliche Ratten und ein Pferd. Das ist doch mal ein tierisches Heim. Wir freuten uns natürlich sehr über so viele Tiere und auf die gemeinsame Zeit.

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Wir verstanden uns von Anfang an gut und unsere Aufgaben waren relativ schnell klar. Tiere früh und abends füttern, Hunde spazieren führen, sonstige Hilfen im Haushalt und am Dienstag begann dann auch die Olivenernte. Es wurden Netze unter die Bäume gelegt und dann ging das fröhliche „bürsten“ los. Mit einer Harke haben wir die Oliven von den Ästen „gebürstet“ und im Netz aufgefangen. Für die Männer gab es dann auch noch „schwere“ Maschinen, die die Oliven von den Bäumen schüttelten. So arbeiteten wir einige Tage hintereinander, kümmerten uns um die Tiere, spazierten zum Feierabend am Strand und fielen am Abend ins Bett.

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Nach etwa einer Woche haben wir dann leider festgestellt, dass wir uns irgendwie nicht so richtig wohlfühlen. Wir wollten eigentlich schon eine Steuernummer und ein Konto beantragt haben, nach einem Auto suchen und vielleicht einen besser bezahlten Job finden. Aber irgendwie sind wir zu nichts gekommen, waren ohne Auto völlig unflexibel und langsam aber sicher kamen wir mit den Umständen im Haus nicht mehr klar. Die vielen Tiere im Haus machten eine Menge Dreck und produzierten leicht unangenehme Gerüche. Auch wenn ich mich jeden Tag sehr über die Begrüßung von 14 Hunden gefreut habe, kann es irgendwann unangenehm werden, wenn keiner putzt. Wir hatten das am Anfang versucht, aber erstens hatten wir kaum Zeit dazu und zweitens war es auch einfach sinnlos, wenn es sonst niemanden interessiert. Wir dachten wir kommen damit klar, aber kamen wir nicht. Zudem waren die Katzen im Haus nicht wirklich förderlich für meine Katzenhaarallergie.

Tja und nun?

Ron, unser australischer Vorarbeiter bei der Olivenernte, bat uns an bei der Autosuche behilflich zu sein. Er kommt aus der Gegend, kennt jede Menge Leute und ist ein Auto-Freak. Das war unser Mann.

Es dauerte einen ganzen Tag und wir hatten ein Auto. Verrückt, wir hatten schon Angst, dass wir ewig nach dem richtigen Gefährt suchen müssen.

Für einen super Preis verkaufte uns Nick, ein Freund von Ron, unser neues Heim – einen Mitsubishi Pajero. Zarte 23 Jahre alt, an manchen Stellen bekommt er graue Haare bzw. ein wenig Rost und er ist bereits 260 000 km durch Australien gefahren. In Deutschland würde man das wahrscheinlich eher belächeln, aber wir sind ja hier nicht Deutschland. Hier ist das ein top Auto, welches mit seinem Allrad-Antrieb der perfekte Begleiter für Outback oder Strand ist. Also haben wir ihn gekauft!

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Zusätzlich gab Nick uns seine Telefonnummer, mit dem Hinweis, dass er jede Menge Kontakte in Australien hat und wenn wir mal liegen bleiben sollen wir ihn anrufen und er schickt uns jemanden aus der Nähe. Ein weiterer Freund von Ron baute uns an diesem Tag auch direkt unsere Sitze aus, kostenlos natürlich.

Es war ganz schön verrückt, dass die Australier alle so nett zu uns waren und uns so bereitwillig ihre Hilfe anboten. Alle strahlten eine unglaubliche Ruhe aus, sahen nirgendwo ein Problem, weil irgendjemand wird es schon für uns lösen und wir sollen uns mal um nichts Sorgen machen. Natürlich zweifelten wir am Anfang und warteten auf den Haken oder auf die Gegenleistung, die sie verlangen. Aber sie meinten es offensichtlich einfach gut mit uns. Wir lernen hier langsam aber sicher, dass die Menschen hier einfach gerne Fremden helfen, ihren letzten Sprit dafür nutzen, um uns durch die Gegend zu fahren, obwohl sie selber kein Geld haben und uns einen Großteil ihrer Zeit schenken, einfach weil sie es gerne wollen.

Wir saßen an diesem Tag dann in unserem neuen Gefährt, schauten uns an und hatten beide den gleichen Gedanken. Nachdem wir in den letzten Nächten wirklich schlecht geschlafen hatten, entschieden wir sofort die erste Nacht in unserem Auto zu verbringen. Wir hatten das Gefühl jetzt endlich machen zu können, auf was wir Lust haben. Wir können hinfahren wohin wir wollen und schlafen wo wir wollen und so wie bisher, wollen wir nicht mehr schlafen.

So entschieden wir, dass wir die kleine Farm verlassen, ein paar Tage für uns bleiben und uns dann woanders was Neues suchen.

Es war eine gute Entscheidung.

Mit einem super lieben deutschen Pärchen, welches wir bei der Olivenernte kennenlernten, buchten wir einen gemeinsamen Stellplatz auf einem Campingplatz in Adelaide und blieben dort übers Wochenende. Da unser Auto noch komplett leer war, war die Aufgabe fürs Wochenende auch gefunden. Wir brauchten ein ordentliches Bett. Zum Glück fanden wir um die Ecke Ikea und einen großen Baumarkt und das Handwerkern konnte losgehen.

Die erste Nacht im Auto war ein unglaubliches Gefühl. So hatten wir uns unsere Zeit in Australien vorgestellt. Wir fühlten uns frei und völlig unabhängig. Gefällt es uns an einem Ort nicht, krabbeln wir vom Bett auf die Sitze vor und fahren mit unserer Ein-Auto-Wohnung einfach woanders hin. Wahnsinn. Wir waren einfach nur glücklich.

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Das restliche Wochenende genossen wir einfach die Zeit. An der Strandpromenade vom Henley Beach in Adelaide arbeiteten wir bei einem leckeren Kaffee ein wenig im Internet und ließen die Sonnenstrahlen für ausreichend Glückshormone sorgen.

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Aber wie geht es denn jetzt nun weiter? Wir sind zwar frei, aber auch die Freiheit ist nicht umsonst und will bezahlt werden. Wir haben keinen bezahlten Job, sind uns nicht sicher, ob wir vom letzten überhaupt einen Dollar sehen und Unterkunft und Verpflegung ist in Australien nicht wirklich billig.

Also haben wir nochmal das Internet gewälzt und eine neue Familie gefunden, bei der wir für Kost und Logi arbeiten können. Ihre Anzeige klang toll und es war für uns wenigstens eine Möglichkeit die laufenden Kosten zu senken. Also nichts wie hin.

Ja und hier sind wir jetzt. In Hahndorf, in den Adelaide Hills hoch über der Stadt auf einem wahnsinnig tollen Anwesen mit einer unglaublichen Familie, die uns aufgenommen hat, als ob wir uns schon ewig kennen. Was wir hier machen und mit wem wir unsere Zeit hier verbringen und ob vielleicht sogar ein bezahlter Job in Aussicht ist, erzählen wir euch im nächsten Beitrag.

Fazit:

Eileen: Mein Säurebad in den vergangenen Tagen war der „Abbruch“ unserer ersten Station. Eigentlich wollten wir in Aldinga Beach mehrere Wochen bleiben und ein wenig Geld verdienen, um uns so ein kleines Polster anzusparen. Dass es aber nun nicht gepasst hat, war auch gleichzeitig mein persönliches Zuckerstück. Die Tage danach mit unserem Auto auf dem Campingplatz waren unglaublich toll und der Umzug zu unserer neuen Familie, war letztendlich das Beste, was uns passieren konnte :).

Christian: Die leicht unhygienischen Umstände im Haus waren mein Säurebad. Ich habe mich einfach nicht mehr wohlgefühlt und auch das Essen konnte ich so nicht mehr genießen. Mein Zuckerstück war der Kauf unseres Auto. Endlich frei, endlich unabhängig, endlich woanders hin.

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2 Kommentare

  • Antworten
    Anja Schumer
    7. Mai 2016 at 12:50

    na dann kann es ja jetzt richtig losgehen. Ich wünsche euch ganz viel Glück und natürlich Arbeit, damit ihr das auch alles lange geniessen könnt. Ich denk ganz viel an euch.
    Bis bald

    • Antworten
      Lini
      13. Mai 2016 at 14:17

      Dankeschön liebste Anja 🙂

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