Aufstieg auf den Mount Rinjani (Vulkan in Lombok)

Von Singapur ging es für uns letzte Woche „direkt“ nach Lombok. Nach „nur“ 12h und drei Flügen hatten wir diesen wahnsinnigen Stadtstaat hinter uns gelassen und waren wieder auf indonesischem Boden, auf Lombok. Nach vier Wochen Bali nun also die nächste indonesische Insel. 

Viel wussten wir bei unserer Anreise noch nicht über Lombok. Wir haben gehört die Strände sollen traumhaft schön sein und der Rinjani, mit 3.700m der zweithöchste aktive Vulkan Indonesiens, befindet sich auf der Insel. Freunde hatten uns auch bereits erzählt, dass man eine Tour auf den Gipfel machen kann und wir das unbedingt tun sollen. Es sei zwar irre anstrengend aber wohl die Mühe wert.

Also war das unser Plan. Neben Strand-Sightseeing soll es auf den Rinjani gehen. Klingt doch nach einem Abenteuer.

Wir hatten uns in Kuta ein Zimmer gesucht und dort auch direkt den 3-Tages-Trip zum Rinjani gebucht. Am Montag sollte es dann auch schon losgehen.

Start in drei Tage Vulkan-Abenteuer

Wir wurden früh in unserer Unterkunft abgeholt und sind anschließend knapp über drei Stunden bis nach Senaru gefahren. Der kleine Ort liegt am Fuß des Rinjani und war unser Ausgangspunkt für den Aufstieg. Da dieser erst am Dienstag startete, hatten wir noch den ganzen Montag Zeit, um die Wasserfälle Sendang Gile und Tiu Kelep in Senaru zu erkunden. Nochmal Entspannung quasi, bevor es ernst wird.

Wasserfall Lombok

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Dienstagfrüh begann dann offiziell unser Abenteuer. Wir wurden früh gegen 8 Uhr abgeholt und zum Eingang des Nationalparks gefahren und wir lernten unsere Gruppe kennen, die aus einer weiteren Deutschen, zwei südtiroler Mädels, einem Chinesen, einem Franzosen, einem Ägypter, einem tschechischen Pärchen und natürlich unserem indonesischen Guide bestand. Zwölf Leute und bunt gemischt. Cool. Es kann also losgehen.

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Wir stiefelten los, machten uns alle miteinander bekannt, quatschten hier und schnatterten da. Nach einer halben Stunde wurde es langsam ruhiger. Es wurde nämlich schon anstrengend. Der normale Weg verabschiedete sich langsam und es gab immer mehr Wurzeln, über die wir drüber steigen mussten.

Und irgendwann gab es dann quasi keinen normalen Weg mehr, sondern nur noch Wurzeln, die wie Treppen durch den Dschungel und den Berg hinaufführten. Also immer schön die Beine anheben und hochsteigen. Erstklassiges Training für den Hintern und die Oberschenkel ;).

Wir machten zwischendurch ein paar kurze Verschnaufpausen und dann gab es eine große Mittagspause. Dort trafen wir dann auch auf andere Gruppen. Wir sind also schonmal nicht ganz allein auf dem Berg.

Der Vulkan ist aktiv? Ohh!

Während der Mittagspause haben wir uns dann auch tatsächlich das erste Mal in Indonesien unsere Jacken angezogen. Na wenn das hier schon losgeht, kann das ja auf dem Gipfel lustig werden, dachten wir uns.

Das war dann auch ungefähr der Zeitpunkt, zu dem uns unser Guide mitteilte, dass es am Tag zuvor eine Eruption im Vulkan gab. Er sei wohl auffällig aktiv und man wisse nicht, was da in den nächsten Tagen noch kommt. Na das sind ja mal Neuigkeiten. Er erzählte uns während der folgenden drei Stunden Aufstieg, dass er bereits einmal einen Ausbruch während einer Tour miterlebt hat. Das war wohl ziemlich angsteinflößend. Zu Recht. Es knallte wohl damals wie ein Donner und alle Leute sprangen auf und rannten. Jeder rannte im wahrsten Sinne des Wortes um sein Leben. Das Gefährliche sind vor allem die austretenden Gase und wer nicht schnell genug ist und zufällig eine Sauerstoffmaske im Rucksack dabei hat, hat ein Problem.

Wir schauten uns nach dieser Geschichte leicht skeptisch an und waren irgendwie nicht mehr ganz so motiviert den Gipfel zu erreichen. Aber jetzt sind wir einmal hier und er hat wohl die ganze Zeit Kontakt zu irgendeinem Menschen, der den Vulkan angeblich akribisch beobachtet.

Camping am Abgrund die Erste

Am späten Nachmittag erblickten wir dann auch endlich die Zelte. Bis dahin war es aber nochmal ein ordentlicher Aufstieg. Vor allem das letzte Stück war ziemlich frustrierend. Aufgrund von Sand und Kies auf einem steinigen Untergrund war der Boden so rutschig, dass wir mehr auf allen Vieren krabbelten als liefen und ständig wegrutschten. Aber jetzt sind wir ja da. Jedenfalls am ersten Camp. Wir krabbelten noch die letzten Meter hoch und standen völlig geflasht tatsächlich am Kraterrrand. Was für ein Blick. Wir schauten direkt in den Kratersee hinunter und auf den aktiven Vulkan in der Mitte, der fröhlich vor sich hinqualmte und sich vermutlich für seinen Ausbruch vorbereitete.

Also wir wären dann in dem Moment soweit gewesen ein paar Bilder zu schießen, kurz den Ausblick zu genießen und den Rückzug anzutreten. Aber der Plan war natürlich ein anderer. Wir zelten hier und am nächsten Tag geht es runter in den Krater. Noch näher an das qualmende Ding heran. Alles klar.

Es war übrigens inzwischen sehr windig und kalt, sodass auch die lange Hose das erste Mal in Indonesien zum Einsatz kam.

Anschließend gab es noch Abendbrot mit Blick auf den leicht verschleierten Sonnenuntergang und dann fielen wir auch schon in unsere Schlafsäcke. Wir haben tatsächlich gegen 20 Uhr schon geschlafen, aber dafür war halb zwölf die Nacht auch fürs Erste vorbei. Unser Zelt war nämlich kaputt. Es war vorn und hinten offen und der Wind wehte inklusive Vulkandreck permanent durch unser Zelt. Es war kalt, zugig und vor allem laut, da die Außenplane ständig gegen das Innenzelt knallte. Wir waren natürlich jedes Mal hellwach, weil jeder Knall auch ein potentieller Ausbruch sein könnte.

Rinjani Lombok

Rinjani Lombok

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So verbrachten wir unsere Nacht und sind am nächsten Tag um 7 Uhr völlig gerädert aus dem Zelt gepurzelt. Es gab Frühstück und wie am Abend eine kleine Katzenwäsche mit Baby-Feuchttüchern. Es gibt ja natürlich kein Badezimmer auf dem Vulkan. Aber wir hatten mit unseren Feuchttüchern wenigstens ein bisschen vorgesorgt. Zu der Toilettensituation müssen wir wahrscheinlich auch nicht allzu viel sagen, außer dass das Laufen durch das Gras gefährlich werden könnte. Jeder entledigt sich offensichtlich dort, wo er grad steht. Betrachtet man die Menge an Menschen, die dort oben unterwegs ist, kann man sich den Rest denken. Nicht sehr lecker. Aber was wollen wir machen.

Kratersee und heiße Quellen inkl. kurzem Schock

Es ging am zweiten Tag also runter in den Krater. Für den ersten Moment fühlten wir uns leicht verarscht. Wir sind gestern den ganzen Weg hochgeklettert, jetzt gehen wir hier wieder runter, um dann auf der anderen Seite wieder hochzuklettern?

Der Abstieg war dann auch ziemlich aufregend. Eng am steilen Kraterrand sind wir hinunter geklettert. Ab und zu gab es mal ein altes Geländer, das gemäß indonesischer Art und Weise nur noch am seidenen Faden wackelte und wir wahrscheinlich mehr das Geländer gehalten haben, als umgekehrt. Hier wurde uns nochmal ganz bewusst, dass die ganze Aktion nicht ungefährlich ist. Auf dem lockeren Geröll und an den steilen Hängen ist schon manch einer abgestürzt. In diesem Moment darf man darüber aber wahrscheinlich einfach nicht nachdenken.

Irgendwie sind wir wohlbehalten unten angekommen und das war dann schon ein gigantisches Gefühl. Inmitten eines alten Vulkans zu stehen, direkt am Kratersee und auf den nun aktiven Vulkan zu blicken. Irre.

Es ging dann auch direkt weiter zu nächsten „Attraktion“  – den heißen Quellen. Etwas abseits vom Kratersee kommen die heißen Quellen an und bieten auf mehreren Höhen die Möglichkeit zu baden.

Anschließend, zurück am Kratersee, gab es Mittag.

Und plötzlich knallte es. Du kannst dir sicher vorstellen wie blöd ALLE geschaut haben. Es war auf einmal totenstill. Bis sich aufklärte, dass bei einer anderen Gruppe eine Gasflasche explodiert war. Das war natürlich ein ganz schlechter Moment.

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Es waren ca. 36°C angenehme Badewannentemperatur 🙂

Campen am Abgrund die Zweite

Dann startete erneut der Aufstieg. Also kletterten wir wieder los und waren das erste Mal froh über einen bewölkten Himmel. Auch wenn wir leider keinen berauschenden Ausblick beim Aufstieg hatten waren wir wenigstens nicht der prallen Sonne und unendlicher Hitze ausgesetzt. Wir haben auch so schon genug geschwitzt :). Und es hatte auch was, direkt durch die Wolken zu laufen.

Irgendwann kamen wir dann auch endlich am zweiten Camp an.

Das ist doch mal ein Campingplatz. Direkt auf einem schmalen Rand standen die Zelte und wir hatten am Abend einen tollen Blick bis zum Gipfel. Da wollen wir am nächsten Tag hoch? Mitten in der Nacht? Ob wir uns das überlegt haben…

Unser Zelt war in dieser Nacht nicht ganz so beschädigt und wir hatten uns aufgrund der inzwischen stark gesunkenen Temperaturen ordentlich eingepackt. Ich hatte beispielsweise unter der Jeans noch eine Leggings und unter der Jacke drei Schichten an Shirts und Sweatjacke. So krabbelten wir, für eine kurze Nacht, in die Schlafsäcke.

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Bibbernd und zitternd auf den Gipfel

Um 2 war die Nacht vorbei und wir waren uns endgültig einig, dass die ganze Aktion ziemlich dämlich war. Wer bitte steht zu so einer Uhrzeit auf, um auf einen Vulkangipfel zu steigen? Wir. Also los. Wir hatten uns am Abend noch von einem unserer Porter einen Stock zurechtschnitzen lassen, klebten uns mit Tape das Handy vorn an den Rucksack (als Taschenlampe) und stiefelten los.

Im Dunkeln quälten wir uns Schritt für Schritt den Berg hoch. Es war aber so sandig, dass wir quasi drei Schritte vor gekommen und zwei zurückgefallen sind. Wir merkten inzwischen auch, dass die Luft bereits ein wenig dünner war, als zu Beginn des ersten Tages. Es war nochmal richtig anstrengend und trotz der Dunkelheit sahen wir bereits, dass es sehr wolkig ist. Aussicht auf den Sonnenaufgang vom Gipfel? Wahrscheinlich nicht. Zumal gefühlt hunderte von Menschen in diesem Camp schliefen und nun den gleichen Weg gingen. Alle wollten auf die Spitze. Könnte also eng werden.

Irgendwie war es frustrierend und oben auch mega windig und richtig kalt. Nach zwei Stunden haben wir drei beschlossen, die Spitze des Gipfels den anderen zu überlassen und uns an Ort und Stelle niederzulassen. Wir verschanzten uns hinter einem kleinen Vorsprung und warteten auf den Sonnenaufgang. Es war halb 5 und wir hatten noch knapp über eine Stunde vor uns.

Wir saßen zu dritt eng aneinander gekuschelt, völlig allein im Dunkeln auf diesem Vulkan und hatten eine wahnsinnige Sicht auf den Sternenhimmel. Und plötzlich war da eine und da noch eine. Sternschnuppen. Jede Menge und es war einfach nur magisch.

Wir saßen dort, hörten Musik aus dem Handy und froren uns nach ein paar Minuten mega den Hintern ab. Es war bitterkalt. Aber der Abstieg im Dunkeln kam für uns definitiv nicht in Frage. Also warteten wir.

Kurz vor sechs wurde es dann hell, wir erblickten kurz einen orangefarbenen Streifen zwischen den Wolken und setzten zum Abstieg an. Wir rutschten aber mehr vom Gipfel, als wir abstiegen. In diesem Moment hätten wir einen Wok gebraucht. Es wäre die perfekte Bahn für die indonesische Wok-WM auf dem Rinjani gewesen.

Später erfuhren wir dann übrigens, dass niemand auf den Gipfel gestiegen ist, da aufgrund des starken Windes die Guides davon abgeraten haben.

Nach dem Frühstück folgte dann der abschließende Abstieg nach Sembalu. Der hatte es nochmal so richtig in sich. Ich persönlich bin auf der Asche und Geröll mehr gefallen und ausgerutscht als gelaufen, aber wir haben es geschafft.

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Wir hatten Probleme überhaupt den Vulkan runterzukommen und die Porter sind einfach mal mit Flip-Flops und unglaublich viel Gepäck über den Vulkan gehüpft. Wahnsinn.

Wir hatten Probleme überhaupt den Vulkan runterzukommen und die Porter sind einfach mal mit Flip-Flops und unglaublich viel Gepäck über den Vulkan gehüpft. Wahnsinn.

Unser Fazit des ganzen Abenteuers ist, dass es eine unglaubliche Erfahrung war. Einen Vulkan zu besteigen ist mit einer Wanderung auf einen Berg überhaupt nicht zu vergleichen, vor allem bei einem aktiven Vulkan ;). Es war wahnsinnig anstrengend. Wir persönlich haben noch nie etwas vergleichbar Anstrengendes gemacht und hätten es uns nicht so hart vorgestellt. Wir sind an unsere Grenzen gekommen aber es war definitiv ein irres Erlebnis. Auch ohne Ausbruch des Vulkans.

Unsere Tipps für dich:

Wo und was kannst du buchen

Du kannst die Touren zum Rinjani entweder in Kuta (Lombok), Sengiggi oder ähnlich touristischen Orten buchen oder direkt bei einem Trekkingveranstalter in Senaru oder Sembalu.

Die Touren gibt es in der Regel mit drei verschiedenen Optionen:

  • 1 Übernachtung (Aufstieg zum ersten Camp und Blick in den Krater, Abstieg am nächsten Tag)
  • 2 Übernachtungen (unsere Variante)
  • 3 Übernachtungen (unsere Tour, aber etwas relaxter mit einer weiteren Übernachtung)

Start ist entweder in Senaru oder in Sembalu. Angeblich soll der Weg von Sembalu nach Senaru einfacher sein. Können wir aber nur schwer beurteilen. Wir sind in Senaru gestartet und es war anstrengend, soviel sei gesagt ;).

Wir haben übrigens in Kuta (Lombok) gebucht und haben 1,2 Mio IDR pro Person gezahlt (inkl. Transfer, Verpflegung, Zeltausrüstung und einer zusätzlichen Übernachtung in Senaru, vor dem Trekking).

Was solltest du mitnehmen

Neben Wechselklamotten und den typischen Hygieneartikeln würden wir dir zu folgenden Dingen im Rucksack raten

  • dicke Klamotten (Regenjacke! In den Wolken kann es feucht werden 😉 )
  • atmungsaktive Sportklamotten sind super praktisch (schnelltrocknend)
  • Badesachen für die heißen Quellen
  • Cap als Sonnenschutz
  • Taschenlampe (am Besten eine Stirnlampe, da du über freie Hand zum Abfangen froh sein wirst)
  • Feuchttücher (eine Dusche suchst du dort oben vergeblich)
  • Taschentücher bzw. Klopapier
  • kleines Medi-Pack inkl. Blasenpflaster
  • Süßigkeiten (unsere Kekse waren zwischendurch als Energieschub kleine Lebensretter)
  • Wanderstöcke (die Porter basteln dir gern einen)

Aber pack dir letztendlich so wenig Balast wie möglich ein. Du bist froh über jedes Kilo, dass du nicht tragen musst.

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